Die Musikkapelle Schleching


Die Anfänge unserer Blaskapelle gehen zurück in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Als es 1859 zur Gründung des heute ältesten Schlechinger Vereins – des Krieger- und Veteranenvereins – kam, waren schon Schlechinger Musikanten da, die an den Jahrtagen der Veteranen aufspielten. So konnte im Jahr 1983 Schleching im Rahmen einer Festwoche das 120 jährige und im Jahre 2003 das 140 jährige Bestehen seiner Musikkapelle feiern, und nun wird am 1.und 2. Juni 2013 das 150 jährige Jubiläum festlich begangen.


Meist waren es Bauernsöhne, junge talentierte, musikbegeisterte Schlechinger, die sich die Jahr-zehnte hindurch um das Zustandekommen und um die Erhaltung der Musikkapelle verdient gemacht haben. Die Leiter der Musikkapelle werden ortsüblich Musikmeister ( "Musimoaster" ) genannt. Der nach der Überlieferung erste Schlechinger Musikmeister war der Blasibauer Franz Bachmann, ein hervorragender Klarinettenspieler. Die damalige Kapelle muss einen guten Ruf gehabt haben, denn sie war oft im Einsatz, auch im benachbarten Tirol.

Im Laufe der weiteren Jahrzehnte ist die Kapelle leider langsam "eingegangen", nur eine kleine Gruppe, u.a. die Zimmermeistersöhne Michael und Alois Hacker und der Johann Voidl aus Ettenhausen, deshalb "E'nhauser Böhm" genannt, hielten die Musikantentradition noch aufrecht. Ebenso der Sohn von Franz Bachmann, der Blasi Hans, der u.a. seinem Neffen Mathias Bachmann, dem Sigl Hias aus Mettenham, das Trompetenspielen beibrachte.

Nach dem ersten Weltkrieg, noch in der wirtschaftlich schweren Zeit, im Jahre 1923, kam es dann zur Wiedergründung der Musikkapelle.


Junge musikalische Burschen – darunter etliche Nachkommen der früheren Musikanten – taten sich zusammen und baten den Aschauer Trompetenspieler Valentin Plenck, als Musikmeister in Schleching eine neue Kapelle aufzubauen. Die weiteren Musikmeister waren dann wieder aus Schleching: Mathias Genghammer, Schmidbauer Hias, von 1924 bis 1926; Mathias Bachmann, Sigl Hias, von 1926 bis 1928; Johann Graf, Lutzn Hans, von 1928 bis 1944 (gefallen);Sebald Pfeiffer, Bäcker Sebald, von 1944 bis 1953; Leo Bachmann, der spätere Bürgermeister, von 1953 bis 1998.  Leo Bachmann, verstorben 2009, war somit seinerzeit 45 Jahre lang weit und breit der "dienstälteste" Musikmeister einer Blaskapelle. Ihm oblag es, die Musikkapelle nach dem zweiten Weltkrieg wieder mit jungen Leuten neu aufzubauen. Bald hatte auch diese junge Kapelle wieder die Erfolge, wie sie die Vorkriegskapelle hatte: erste und zweite Musikpreise, Auftritte beim Oktoberfestzug und bei Trachtenfesten, Aufspielen bei Hochzeiten und Almtänzen und die Pflege von Partnerschaften, z.B. mit Weitmars  im Schwäbischen. Seit 1983 ist die Schlechinger Musikkapelle auch die Kapelle der Gebirgsschützenkompanie Wössen-Achental. Durch die Initiative von Leo Bachmann wurde von den Schlechingern ab 1983 über einige Jahre hinweg der "Musikantenwinter" durchgeführt: nach sportlichen Wettkämpfen auf der Skipiste und auf dem Eisplatz beim Eisstockschießen trafen sich jeweils weit über hundert Musikanten aus dem Chiemgau und dem benachbarten Tirol mit ihren Musikinstrumenten, um bei der Siegerehrung gemeinsam aufzuspielen.


Verschiedene Ereignisse im kommunalen Bereich brachten es mit sich, dass im Herbst 1990 von dreizehn Leuten der Musikverein gegründet wurde und eine kleine Schar von rund zehn Musikanten eine neue Kapelle, die Dorfmusik, aufstellten.

Von 1990 bis 1992 waren Josef Zaiser und von 1992 bis 2012 der aus Neppendorf bei Hermannstadt in Siebenbürgen stammende Walter Reisenauer die Musikmeister. Die Zahl der in forstgrünen Joppen und Hüten mit Spielhahnfeder spielenden Dorfmusikanten – auch Musikantinnen und Marketenderinnen gehören dazu – stieg in dieser Zeit durch verstärkte Heranbildung Jugendlicher auf 32. Der Musikverein wurde von 1990 bis 2003 ebenfalls von dem inzwischen zum Ehrenvorsitzenden ernannten Josef Zaiser geleitet, dann bis 2010 von Rupert Loidl. Seit 2010 ist Wolfgang Bachmann der Vorstand. Der Musikverein, unter dessen Dach sich außer der Dorfmusik auch noch andere Musikgruppen befinden, hat sich zur Aufgabe gemacht, die Musikausbildung zu fördern, auch in Zusammenarbeit mit dem Schlechinger Kulturförderverein und der Musikschule Cantica.

Die Musikkapelle, nach wie vor in den braunen Joppen, roten Leibe und mit Stopselhut und Spielhahnfeder spielend, reagierte auf die neue Situation mit der Umwandlung in einen Verein. Der erste Vorstand war bis 2009 Florian Loferer, 2009 abgelöst von Richard Prasser. Leo Bachmann wurde als Musikmeister 1998 für ein Jahr abgelöst von Dietrich Seebohm, und von 1999 bis 2011 war dann der aus Kössen stammende Erwin Gründler der Musikmeister, gefolgt bis zum Jahr 2012 von Peter Hell.


Nach dem Motto "Konkurrenz belebt das Geschäft" waren beide Kapellen bestrebt, Jugendliche  heranzubilden, Akzente zu setzen, Profil zu zeigen, Erfolge zu haben. Die Dorfmusik unter Walter Reisenauer legte den Schwerpunkt über die typische Blasmusik hinaus auf das konzertante Musizieren und auf "modernere" Unterhaltungsmusik, so greifen die Klarinettenspieler auch mal zum Saxophon. Die Musikkapelle unter Leo Bachmann und Erwin Gründler verkörperte  nach wie vor die klassische  Blasmusik, die Traditionen fortführend, auch als Kapelle der Wössen-Achentaler Gebirgsschützen und Jahrzehnte lang als musikalische Gestalterin der Raitener Dankwallfahrt.

Als besondere Ereignisse im Laufe der letzten 23 Jahre sind bei der Musikkapelle zu nennen: die alljährlichen Neujahrskonzerte im vollbesetzten Saal des Gasthofs zur Post, 1993 und 1995 die Auftritte in Bremen bei Schützenfesten,  1993 und 2000 die Reisen nach Fernost mit Auftritten und unvergesslichen Eindrücken in Singapur, lange schon wird immer wieder die Freundschaft mit Auftritten in Oberneisen im Rhein-Lahn-Kreis gepflegt, 2003 dann die Festwoche zum 140 jährigen Jubiläum und jüngst 2012 der Auftritt zusammen mit dem Schlechinger Trachtenverein in einer Großveranstaltung in St. Wendel im Saarland mit Stefanie und Eberhard Hertel.

Die Höhepunkte mit der Dorfmusik waren die Jahreskonzerte jeweils im August in der Werkhalle von Vinzenz Bachmann, zuletzt 2010 das Konzert zum 20 jährigen Jubiläum, wie immer mit großem Zuspruch unter dem Motto: "20 Jahre unterwegs": 1995, 2003 und 2011 Ettenhausen bei Suhl in Thüringen, 1995 und 2003 Bremerhaven, 2002 Borganzo bei Imperia am Ligurischen Meer,

eingeladen und organisiert von Bodo Sperling, ein unvergessliches Konzerterlebnis in "Italia", 2004

bis 2009 Onolzheim, 2006 und 2009 Klingenthal im Vogtland, bis 2009 immer wieder Auftritte in Berlin ("Oktoberfest").Ganz besonders gut in Erinnerung bleibt die Reise nach Siebenbürgen in die Heimat der Familie Reisenauer. Das Konzert und der Festzug im historischen Zentrum von Hermannstadt gehören zu den emotionalen Höhepunkten der Dorfmusik.

23 Jahre führten zu einem allmählichen Generationenwechsel handelnder Personen. Die Zeit brachte es mit sich! Im Herbst 2012 beschlossen, im Sommer 2013 verwirklicht: der Zusammenschluss der beiden Musikkapellen.


Am 18.10.2012 fand statt der Musikprobe ein Treffen aller Musikanten beider Musikkapellen statt, um in ruhiger, sachlicher Atmosphäre von einigen Musikanten im Vorfeld gut vorbereitete Argumente auszutauschen, die Vorgehensweise festzulegen mit der Einsicht der Notwendigkeit und getragen von dem Wunsche wieder zusammenzugehen. Am 8.11.2012 fand dann die erste gemeinsame Probe unter Walter Reisenauer statt, für die Geschichte der Schlechinger Musikkapelle ein historisches Datum. Die Mitglieder der beiden Kapellen haben sich darüber geeinigt, dass die Musikkapelle ihren Verein auflöst und dem Musikverein beitritt. Der Name der Kapelle soll lauten: "Musikkapelle Schleching". Der Musikmeister soll Walter Reisenauer, seine Stellvertreter sollen Daniela Küfner und Peter Hell sein. Die Dorfmusikanten übernehmen das Gewand der Musikkapelle. Der erste offizielle gemeinsame Auftritt der rund 50 Musikanten im einheitlichen Gewand soll am 150 jährigen Jubiläumstag stattfinden. Die Schlechinger Bevölkerung wurde in einem Zeitungsartikel am 20.11.2012 über die "Fusion von Kapelle und Dorfmusik" informiert. Das Echo war durchaus positiv.


Eingedenk der gemeinsamen Wurzeln wollen die Musikanten das Jubiläumsfest würdig und freudig begehen als Auftakt für weitere erfolgreiche Jahre des Zusammenspiels in einem harmonischen Gemeindeleben in Schleching.

Hartmut Rihl